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Wohnen 2.0: Wenn die eigenen vier Wände das Denken übernehmen

Die Raumtemperatur regulieren, bevor man nach Hause kommt, den Backofen vorwärmen, ohne die Küche zu betreten, das Licht im Wohnzimmer per Sprachsteuerung dimmen oder die Überwachungskameras checken, während man hunderte von Kilometern entfernt von daheim ist – in einem Smart Home kein Problem.

Je vernetzter das Zuhause, desto höher Komfort, Lebensqualität und Energieeffizienz. Aber auch die Risiken steigen: Hackerangriffe, Ausspähen persönlicher Daten oder technische Defekte sind die Kehrseite der Medaille.

Laut Statista ist in 7,2 Millionen deutschen Haushalten mindestens eine Smart-Home-Anwendung im Einsatz, Tendenz stark steigend: In vier Jahren sollen es fast doppelt so viele Haushalte sein. Ob Beleuchtung, Heizung oder Jalousien – immer mehr Nutzer steuern ihr Zuhause mit Hilfe von Sensor- und Informationstechnik, die sich von überall bedienen lässt. Im Smart Home wird die Haustechnik in einem einheitlichen System vernetzt.

Gesteuert werden die vernetzten Geräte dann per Smartphone oder Sprachsteuerung. In wirklich smarten Haushalten ist auch eine Kommunikation der Geräte untereinander möglich, beispielsweise der Regensprenger, der mit seiner Arbeit beginnt, sobald die smarte Wetterstation eine bestimmte Temperatur meldet.

Vorteile eines Smart Homes

Bei der Anschaffung von Smart-Home-Komponenten ist es ratsam, sich auf möglichst wenig verschiedene Hersteller zu beschränken, denn ein Geräte-Mix kann eine Programmierung kompliziert machen oder dafür sorgen, dass nicht alle Funktionen genutzt werden können.

Ein intelligentes Heim ist sicherer: Sobald Einbrecher versuchen, sich Zutritt zu verschaffen, schalten sich beispielsweise Licht und Fernseher ein. Gleichzeitig wird der abwesende Nutzer über den Einbruchsversuch per App informiert. Ebenfalls per App kann überprüft werden, ob etwa Herd, Bügeleisen oder andere elektronische Gerät auch tatsächlich ausgeschaltet sind.

Die Wohnqualität steigt: Ein Klick genügt und schon kann man über intelligente Lautsprecher in jedem Raum Musik hören. Mit dem Weckerklingeln startet die Kaffeemaschine und das Badezimmer ist bereits kuschelig warm. So wird Aufstehen selbst für Morgenmuffel erträglich.

Ein Smart Home spart Energie: Intelligente Thermostate am Heizkörper wissen, wann es zieht. Sobald ein Fenster geöffnet wird, werden die Heizkörper heruntergefahren. Ist niemand zu Hause, gehen Elektrogeräte in den Energiesparmodus. Auch Stromfresser im Haushalt können durch vernetzte Zähler leichter identifiziert werden.

Risiken eines Smart Homes

Wer sich auf die Technik verlässt, ist ihr meist hilflos ausgeliefert, wenn sie mal nicht mehr funktioniert. Basiert das smarte System auf Funk und nicht auf Kabel, ist es nach Auskunft von ARAG Experten zudem anfälliger für Störungen. Wird die Internetverbindung unterbrochen, funktionieren unter Umständen einige Geräte nicht mehr und verursachen womöglich Konflikte mit anderen smarten Einheiten, mit denen sie vernetzt sind.

Auch Wetterkapriolen mit Blitz und Donner können in einem mit smarter Technik ausgestatteten Haushalt enorme Schäden anrichten. Hier sollten Hausbesitzer vor der Vernetzung mit der Versicherung klären, welche Schäden abgesichert sind. Zu guter Letzt können auch Bedienfehler zum Verhängnis werden: Kocht die Kaffeemaschine z. B. trotz tagelanger Abwesenheit munter jeden Morgen Kaffee, kann es nach der Rückkehr eine feuchte Überraschung geben.

Freier Zutritt für Hacker

Die Internetverbindung, die für ein intelligentes Heim benötigt wird, ist für Hacker die digitale Eingangstür ins Haus. Die privaten Daten können ausgespäht und mit Schadsoftware kann auf sämtliche Geräte zugegriffen werden. So bietet beispielsweise ein smartes Türschloss, das mit entsprechender Malware geknackt werden kann, keinerlei Schutz vor echten Langfingern. Wer sein Türschloss über eine Handy-App steuert, muss sich zudem über das Risiko klar sein, dass ein Smartphone – und damit der digitale Schlüssel zum Haus – leicht gestohlen werden kann oder verloren geht.

Um Cyberkriminellen die Arbeit zu erschweren, raten die ARAG Experten, regelmäßig Software-Updates der Hersteller zu nutzen und die voreingestellten Kennwörter direkt nach der Anschaffung der Geräte gegen sichere eigene Passwörter zu tauschen. Auch hier sollte regelmäßig ein neues Kennwort eingerichtet werden, das natürlich nicht für alle Geräte dasselbe sein darf. Die meisten persönlichen Daten befinden sich in der Regel auf Smartphone, Computer, Tablet & Co.

Daher sollte für diese Geräte ein anderes WLAN-Netzwerk verwendet werden als für die Geräte im Smart Home. Wer vom PC das intelligente Heim steuert, sollte darauf achten, auch dort Schutzsoftware und Browser stets aktuell zu halten, damit Spionageprogramme auf dem Rechner keine Chance haben. Wer über Apps per Handy auf sein Smart Home zugreift, sollte auch dieses Endgerät so gut wie möglich schützen. Also z. B. Betriebssystem und Anwendungen aktualisieren und auch auf diesem Gerät Sperren und Passwörter nutzen.

Quelle: www.tischler.nrw
Bild: Mike Fouque – stock.adobe.com